Dr. Martin Büchner

Dipl.-Mineraloge Dr. rer. nat. Martin Büchner, im Jahre 1932 in Meiningen/Thür. geboren, wurde im Jahre 1964 von der Stadt Bielefeld mit der Einrichtung und Belebung der in diesem Jahr wiedererrichteten Naturkunde-Abteilung am Städtischen Museum betraut. In einem Provisorium angemieteter Räume des Hauses Stapenhorstsraße 1 wurden die z.T. sehr unsachgemäß ausgelagerten Bestände des ehemaligen Naturwissenschaftlichen Museums (Existenz bis 1946) zusammengeführt und gesichert.

In der Stapenhorstsraße konnten bis Abriss des Hauses i m Jahre 1977 zahlreiche Wechselausstellungen durchgeführt werden. Wesentliche Hilfen und wissenschaftliche Unterstützung leisteten Mitglieder des Naturwissenschaftlichen Vereins für Bielefeld und Umgegend.

Im Jahre 1977 konnte das Haus Kreuzstraße 38 als Verfügungszentrum für den Neubau eines Ausstellungsgebäudes bezogen werden. Architektenwettbewerbe für Objekte im Anschluss an die Häuserzeile der Kreuzstraße ostwärts ergaben gute Lösungen, an eine Verwirklichung war aus finanziellen Gründen jedoch nicht zu denken. Im Jahre 1983 begannen Planungen und Umrüstungen des Spiegelshofes, der 1988 als "mittelfristige Lösung" bezogen werden konnte. Gleichzeitig im Jahre 1983 wurde der Gedanke geboren, in einem Museumszentrum am Ravensberger Park das Naturkunde-Museum als "Museum Natur und Umwelt" einzubeziehen. Das Gebäude der "Neuen Hechelei" war dafür ausersehen, doch kam das Vorhaben nie über eine Konzeptionsplanung hinaus.

Der Museumsleiter, seit den 70er Jahren auch mit der stellvertretenden Amtsleitung der Kunsthalle der Stadt Bielefeld betraut, konnte neben der Impulsgebung für die regionale Naturforschung und -bewahrung vor allem auf geowissenschaftlichen geländebezogenen Bereichen arbeiten. Durch Mitglieder des Naturwissenschaftlichen Vereins sehr gut in die Problemstellungen des Heimatraumes eingeführt, ist eine rege Forschungs- und Sammeltätigkeit verwirklicht worden. Vor allem waren es die Vereinsexkursionen an Wochenenden oder in den Ferien, die zu ungemein großen Erkenntnisgewinnen - auch für das Museum - führten. Eine Reihe von Veröffentlichungen in Zusammenarbeit mit den Anregern künden von den verschiedenen Arbeitsgebieten. An die 200 Exkursionen, niedergelegt in ausführlichen, im Archiv des Hauses verwahrten Dokumentationen von heute weitgehend nicht mehr vorhandenen Lagerstätten-Einblicken, vermittelten den Teilnehmern Freude an der Wissenserweiterung nicht nur in den geowissenschaftlichen Sparten (Paläontologie, Geologie, Mineralogie) sondern auch jeweils in den Bereichen der Wirtschaft, Kultur und Volkskunde des jeweiligen Zielgebietes. Amtshilfe für andere Institutionen erweiterten das Erfahrungsfeld, so z.B. viele Gutachten für den Tiefbau, angefordert von der Baustoffprüfstelle der Stadt. Lehraufträge für die Pädagogische Hochschule Bielefeld, Seminar für Geographie, und die vielen Betreuungen Bielefelder Schulen rundeten die Externtätigkeit ab.

Im Jahre 1979 wurden der Dipl.-Biologe Dr. Klaus Renner als wissenschaftlicher Mitarbeiter und 1989 der Dipl.-Biologe Dr. Peter-René Becker als Museumspädagoge eingestellt. Mit beiden Kollegen ließ sich ab 1988 im Spiegelshof neben der Einrichtung von Daueraustellungen eine rege Tätigkeit in Form von Wechselausstellungen verwirklichen, wobei auch Kontakte mit Institutionen der DDR und Polens und einem Wissenschaftler aus der CSSR, z.T. noch vor dem Ende der sozialistischen Herrschaft, zum Tragen kamen. ("Meer und Museum" aus Stralsund 1987/88; "350 Millionen Jahre Wald" aus Dresden und Wien 1989/90; "Spuren des Bernstein" aus Warschau 1991/92; und die Ausstellungen von Prof. Ksica aus Brünn).

Der Mineralienkeller im Spiegelshof dokumentiert am deutlichsten nicht nur die Ergebnisse einer erfolgreichen Zusammenarbeit mit den Vereinskollegen und Exkursionsteilnehmern, sondern spiegelt auch den Geist wieder, der von der Ästhetik und der Aussagekraft der Objekte beflügelt wird.

Mit der Ausstellung "Steinzeitjäger in Westfalen" 1996/97, erarbeitet auf den Grundlagen einer Grundschulen-Projektwoche, verabschiedete sich der Museumsleiter aus dem hauptamtlichen Dienst.

Quelle: ILEX 1/99: S. 4

Schriftenverzeichnis über einige Arbeitsgebiete: 

 

ADRIAN, W. & BÜCHNER, M. (1979): Eiszeitliche Geschiebe und andere Gesteine als Rohstoffe für paläolithische Artefakte im östlichen Westfalen.
Teil 1: Quarzite und Sandsteine. - Ber. naturwiss. Ver. Bielefeld u. Umgegend, 24: S. 5-76, 57 Abb.; Bielefeld

ADRIAN, W. & BÜCHNER, M. (1979): Eiszeitliche Geschiebe und andere Gesteine als Rohstoffe für paläolithische Artefakte im östlichen Westfalen.
Teil 2: Konkretionäre kieselige Gesteine. - Ber. naturwiss. Ver. Bielefeld u. Umgegend, 25: S. 281-362, 67 Abb.; Bielefeld

ADRIAN, W. & BÜCHNER, M. (1979): Eiszeitliche Geschiebe und andere Gesteine als Rohstoffe für paläolithische Artefakte im östlichen Westfalen.

Teil 3 (Schluß): Nachträge, schichtförmige kieselige, karbonatische und kristalline Gesteine. - Ber. naturwiss. Ver. Bielefeld u. Umgegend, Sonderh. 4: 171 S., 134 Abb.; Bielefeld

BÜCHNER, M. (1967): Fossilerhaltung in rhätischen Bonebeds. Ein Vergleich zwischen württembergischen und ostwestfälischen Vorkommen. - Ber. naturwiss. Ver. Bielefeld u.  Umgegend, 18: S. 5-24, 9 Abb.; Bielefeld.

BÜCHNER, M. (1986 a): Geothermisch bedingte Veränderungen in Rhät- und Jura-Gesteinen des Unteren Weserberglandes als Folge des Vlothoer Glutflußmassivs. - Ber. naturwiss. Verein für Bielefeld und Umgegend, 28: S. 109-138, 19 Abb.; Bielefeld.

BÜCHNER, M. (1986 b): Kieselgeoden im Wiehengebirge als Rohstoff steinzeitlicher Artefakte ("Wiehengebirgs-Lydit"). - Ber. naturwiss. Verein für Bielefeld und Umgegend,  28: S. 139-171, 20 Abb.; Bielefeld.

BÜCHNER, M., EBEL, R. et al. (1980): Der Jura zwischen Bielefeld, Minden und Osnabrück. Exkursionsführer Jahrestgagung Subkommission f. Jurastratigraphie: 78 + 11 S., 41 Abb., 13 Tab., 7 Taf.; Krefeld.

BÜCHNER, M., HOFFMANN, K., JORDAN, R. (1986): Die Tongruben der Ziegeleien im Unter-Pliensbachium (Lias gamma) der weiteren Umgebung von Bielefeld, ihre Geologie und Betriebsgeschichte. - Veröff. Naturkde. Mus. Bielefeld, 1: 1-57, 35 Abb, 5 Tab., 5 Taf.; Bielefeld.

BÜCHNER, M. & SERAPHIM, E.T. (1973, 1975, 1977): Mineralneubildungen im saxonischen Bruchfaltengebirge des Unteren Weserberglandes. - Teil 1-3. - Ber. naturwiss. Verein für Bielefeld und Umgegend, 21, 22, 23; Bielefeld.

BÜCHNER, M. & SERAPHIM, E.T. (1984): Bestandsaufnahme der Mineralneubildungen im Saxonischen Bruchfaltengebirge des unteren Weserberglandes, Alter und Genese. - Schriftenreihe der Gesellschaft Deutscher Metallhütten- und Bergleute (GDMB), 41, Postvaristische Gangmineralisation in Mitteleuropa, Alter, Genese und wirtschaftliche Bedeutung, Jahrestagung der Fachsektion Lagerstättenforschung in der GDMB, 12.-16. April 1983 in Warstein (Sauerland): S. 103-113, 1 Abb.; Weinheim (Verlag Chemie).