
Wilhelm Althoff (* 1880, +1947)
Als Schüler wurde Wilhelm Althoff für einen Werdegang als Wissenschaftler von höherem Rang vorbereitet. Im damals Städtischen Gymnasium zu Bielefeld, dem heutigen Ratsgymnasium, gab Prof. Julius Wilbrand als Lehrer in den entsprechenden Schulfächern dem jungen Mann bereits die Anregungen, die ihn in die Geologie der Region und ihren mannigfaltigen Formenschatz fossiler Zeugnisse einführte und die Liebe zu diesen Dingen weckte.
Aus einer Handwerkerfamilie stammend, wurde Wilhelm Althoff jedoch vom Elternhaus gedrängt, den Kaufmannsberuf zu erlernen. Aber in jeder Freizeit konnte er sich mit der Bielefelder Geologie beschäftigen. Als Offizier im 1. Weltkrieg wurde er im Fronteinsatz bald verwundet und musste in den Bielefelder Garnisondienst versetzt werden, der ihm das Studium der geologischen Aufschlüsse erneut erlaubte. Der hauptberufliche Kaufmannsberuf war zunächst nach dem Kriege von Erfolg beschieden gewesen, übernahm Althoff jedoch mit dem Unternehmer Reins zusammen die alte Wäschefabrik Adolf Gassel. Die wirtschaftliche Depression führte jedoch zu einem geschäftlichen Niedergang, und dieser Misserfolg verdrängte ihn schließlich ganz aus dem Kaufmannsberuf.
Als Autodidakt bereicherte er durch Literaturstudium und die Praxis in den Geländeaufschlüssen sein geologisch-paläontologisches Wissen. Die benachbarten Universitätsinstitute zu Münster und Göttingen gewährtem ihm wesentliche Hilfen. Junge Doktoranden aus Göttingen vertrauten sich ihm an, um von seinem regionalen Erfahrungsschatz zu profitieren. Unter ihnen erlangte Walter Wetzel, später Lehrstuhlinhaber in Kiel, eine besondere Bedeutung, waren doch von nun an ihrer beider Lebenswege eng verbunden. Wetzel überlebte den Bielefelder Freund und legte Althoffs nachgelassene Aufzeichnungen noch posthum in einer umfangreichen Veröffentlichung nieder.
Besonders die Ziegeleitongruben in Bethel lieferten viele Arbeitsthemen, der lebhafte wissenschaftliche Meinungsaustausch beeinflusste und förderte die paläontologische Seite in Althoffs Studien. Leider konnten durch die Ungunst der geologischen Situation die Doggerschichten der Bethel-Gruben nicht für ein geplantes nordwestdeutsches Standardprofil als Äquivalent zur süddeutschen, englischen oder französischen Stratigraphie dienen, da viele tektonische Störungen in Nähe der Osning-Hauptverwerfung den notwendigen Einblick in einen vollständigen Schichtenaufbau verwehrten. Diese Erkenntnis stellt sich erst später heraus. Die Bethel-Gruben umfassten ein Profil vom mittleren Lias bis in den höheren Dogger (Unterer bis Mittlerer Jura). Wilhelm Althoff sammelte jahrzehntelang in den einzelnen Horizonten von Faunengemeinschaften, die er in eine stratigraphische Ordnung zusammen-fassend bestrebt war. Vornehmlich bediente er sich der Fülle von Ammonitengattungen und -arten, die später Grundlage zu einer allgemeingültigen biostratigraphischen Gliederung in Zonen und Subzonen herangzogen werden konnten. Seine Ammonitensammlung gelangte zur späteren Auswertung nach seinem Tode an das Niedersächsische Landesamt für Bodenforschung zu Hannover, wo sie heute noch verwahrt wird. Ein kleinerer Teil ist im Besitz des Städtischen Museums Bielefeld verblieben.
In ehrender Würdigung seiner wissenschaftlichen Verdienste wurden mehrere von ihm entdeckte Ammoniten mit seinem Namen versehen: Bigotites althoffi Wetzel, Garantiana althoffi Bentz, Sonninia deltafacata ssp. althoffi Hiltermann, Spiroceras bifurcatum var. althoffi Potonié, ebenso eine Foraminifere: Flabellamina althoffi Bartenstein & Brand.
Im Schriftenverzeichnis von Althoff kann aber noch auf andere erdgeschichtliche Perioden in der so ungemein interessanten Geologie des Bielefelder Stadtgebietes verwiesen werden: So aus der Trias eine Arbeit über den Oberen Muschelkalk, aus der Kreide spezielle Themen über die Unterkreide. Er unterstützte die Kartierungsarbeiten des Berliner Landesgeologen Prof. Adolf Mestwerdt. Er fertigte Gutachten zum Beispiel über die Eisenerzlagerstätten der Unteren Kreide an, die entsprechenden Belegsammlungen werden im Naturkunde-Museum verwahrt.
Im Bielefelder Museum konnte er als wissenschaftlicher Pfleger in der geologischen Abteilung nach seinem wirtschaftlichen Misserfolg im kaufmännischen Hauptberuf mühsam eine schmale finanzielle Grundlage schaffen. Er fertigte die bis heute im Ausstellungsbereich des Museums erhaltene Geologische Wand. Wer sie genau analysiert, findet die deutlichen Festlegungen seiner gesteins- und lagerstättenkundlichen Erkenntnisse in den einzelnen aus originalen Mosaiksteinchen nachgeformten Horizonten.
Trotz gesundheitlicher Benachteiligungen und häufig finanzieller Not erlahmte seine Schaffenskraft kaum, bis ihn sein Tod am 23. Mai 1947 ereilte. In seinen Sammlungen, hinterlassenen Notizen und in seinen Veröffentlichungen lebt sein Werk weiter als Grundlage für das Verständnis der Geowissenschaften in der "geologischen Quadratmeile von Bielefeld".
Abgefasst unter Verwendung des Nachrufes von Dr. Fritz Koppe im Ber. naturw. Verein für Bielefeld u.Umgegend, 11 : S.14-18; Bielefeld 1950.
Vollständiges Schriftenverzeichnis veröffentlicht in:
ALTHOFF, W.(+) & BÜCHNER,M. (1979): Geologie des Teutoburger Waldes bei Bielefeld. - Geologie und Mineralogie aus dem Naturkunde-Museum Bielefeld, Lfg. 1: S. 1-26, 16 Abb., 3 Taf.; Bielefeld.

