Cyclotosaurus buechneri



Bild: Joschua Knüppe
Bild: Joschua Knüppe

In den naturwissenschaftlichen Sammlungen von Museen liegen viele Schätze verborgen, deren wahrer Wert nicht immer gleich erkannt wird. Neue Untersuchungsmethoden oder der scharfe Blick auswärtiger Spezialisten bringt oft Überraschendes zutage. So geschehen im Naturkunde-Museum Bielefeld im Jahre 2015:

 

Das Museum bewahrt seit vielen Jahren den versteinerten Schädel eines 2 Meter langen Ur-Lurches in seiner Sammlung. Das Fossil wurde 1975 in Bielefeld-Sieker gefunden. Mit seinem Alter von 225 Millionen Jahren ist der Riesenlurch einer der ältesten Bielefelder. Er lebte noch vor dem Siegeszug der Dinosaurier in unserer Region.

 

Die Paläontologen Florian Witzmann, Sven Sachs und Christian Nyhuis haben den Schädel nun genau untersucht und überraschend festgestellt, dass er zu einer neuen, bislang unbekannten Art gehört – einzigartig auf der Welt. Ihr Befund wurde von internationalen Gutachtern anerkannt und in der Fachzeitschrift „Fossil Record" publiziert.

 

Der Bielefelder Schädel ist der einzige gesicherte Nachweis dieser ausgestorbenen Tiergruppe in ganz Norddeutschland. Ein so gut erhaltenes Exemplar ist ohnehin schon ein seltener Fund. Nun, da klar ist, dass es sich um eine bisher unbekannte Art handelt, steigt sein Wert noch um ein Vielfaches: Der Schädel ist damit ein sogenanntes „Typusexemplar“ oder „Holotypus“ und wird in Zukunft als Referenzmuster bei der Bestimmung neuer Funde und Neubearbeitung bereits bekannter Stücke dienen.

 

Die neue Art wurde Cyclotosaurus buechneri getauft, zu Ehren des ehemaligen Museumsleiters Dr. Martin Büchner, der sich jahrzehntelang um die geologische Forschung und Bildung in der Region besonders verdient gemacht hat. Er war es auch, der vor über 40 Jahren das Fossil gefunden und unter abenteuerlichen Umständen geborgen hat.

 

Heutige Amphibien (z.B. Salamander, Molche und Frösche) sind meist nicht größer als ein paar Zentimeter. Vor vielen Millionen Jahren sah dies noch völlig anders aus: Es gab salamanderähnliche Lurche, die bis zu 5 Meter lang wurden. Sie waren damals die größten Jäger in ihrem Lebensraum. Als Cyclotosaurus lebte, war der heutige Bielefelder Raum eine weite Fluß- und Sumpflandschaft, bewachsen mit riesigen Schachtelhalmen. Sehr wahrscheinlich ernährte sich Cyclotosaurus hauptsächlich von Fischen. Der Künstler Joschua Knüppe fertigte ein Bild vom Cyclotosaurus an, wie er möglicherweise ausgesehen haben mag.

 

 

 

Die Autoren der wissenschaftlichen Publikation:

  • Dr. Florian Witzmann ist Kurator für fossile Fische und Amphibien am Museum für Naturkunde in Berlin. Er ist Spezialist für die Anatomie urtümlicher Amphibien und die evolutionäre Entwicklung vom Fisch zum Lurch.  (florian.witzmann@mfn-berlin.de)
  • Sven Sachs (Gastwissenschaftler und paläontologischer Berater am Naturkunde-Museum Bielefeld) hat jahrzehntelange Erfahrung in der Erforschung ausgestorbener Meeresreptilien und anderer fossiler Wirbeltiere. (sachs.pal@gmail.com)
  • Dr. Christian Nyhuis ist wissenschaftlicher Leiter der Galileo-Wissenswelt auf Fehmarn und befasst sich hauptsächlich mit Gesteinen und Fossilien des späten Erdaltertums, sowie der Lebensweise ausgestorbener Wirbeltiere. (chr.nyhuis@gmail.com)

Die Publikation:

Witzmann, F., Sachs, S. & Nyhuis, C.J. (2016): A new species of Cyclotosaurus (Stereospondyli, Capitosauria) from the Late Triassic of Bielefeld, NW Germany, and the intrarelationships of the genus. – Fossil Record 19, S. 83-100. ( http://www.foss-rec.net/19/83/2016/fr-19-83-2016.pdf )