Leidenschaft zur kleinen Schöpfung


Die Arbeitsgemeinschaft westfälischer Entomologen e. V.

 

Das Reich der Insekten mit seiner riesigen Artenfülle und Formenmannigfaltigkeit hat die Menschen schon immer in besonderer Weise fasziniert. Dies führte zu Fragen nach ihrer Bestimmung, ihrer Stellung in der Gesamtheit der Natur, ihrer Verbreitung und ihrer Anpassung an die verschiedenen Umweltbedingungen. Es weckte aber auch das Forscherinteresse zu ihren Verhaltensweisen, zu den Vererbungs- und Entwicklungsprozessen durch Haltung und Zucht.

 

In Bielefeld gab es Ende während des 19. Jahrhunderts zahlreiche Insektenkundler, Mitglieder der „Naturwissenschaftlichen Gesellschaft“ („Flohverein“) und des neu gegründeten „Naturwissenschaftlichen Vereins“. Sie machten bald durch überregional beachtete Veröffentlichungen auf die Besonderheiten der ostwestfälischen Insektenfauna aufmerksam und trugen umfangreiche und wertvolle Sammlungen zusammen. Viele davon gelten in Bielefeld infolge des Zweiten Weltkrieges und den damit verbundenen schwierigen Umständen als verschollen.

Unter Führung der Bielefelder Naturkundler Walter Robenz, Mauritius Breyer und Adolph Hübner sowie mit wesentlicher Unterstützung des damaligen Leiters des Naturkunde-Museums, Dr. Martin Büchner, wurde am 03. April 1965 von 16 Insektenkundlern die „Arbeitsgemeinschaft ostwestfälisch-lippischer Entomologen e.V.“ gegründet. Seit Ende des Jahres 2001 heißt sie „Arbeitsgemeinschaft westfälischer Entomologen“. Sie arbeitet unabhängig, aber eng und in freundschaftlicher Verbundenheit mit dem „Naturwissenschaftlichen Verein“ zusammen.

 

Eine zentrale Aufgabe der Arbeitsgemeinschaft stellt die wissenschaftliche Bearbeitung, Pflege und Erweiterung der Insektensammlungen des Naturkunde-Museums dar. Durch Spenden der Mitglieder und Übernahme ganzer privater Sammlungen zählt die Bielefelder Museumssammlung heute zu den bedeutendsten Sammlungen in Nordwestdeutschland.

Ein wesentlicher Schwerpunkt der Arbeit liegt in der Erfassung der westfälischen Insektenfauna. Etwa 16.000 Insektenarten sind gegenwärtig in Westfalen zu erwarten, darunter über 4.000 Käfer, fast 2.000 Schmetterlinge und jeweils über 5.000 Fliegen- und Hautflüglerarten. Diese enorme Vielfalt gilt es nachzuweisen und zu dokumentieren sowie die Bedeutung dieser Arten in der Umwelt zu erforschen und ggf. Gefährdung und besonderen Schutzbedarf zu erkennen.

 

Darüber hinaus bearbeiten Spezialisten des Vereins einzelne taxonomische Gruppen in ganz Europa. Sie stellen Veränderungen in der Umwelt fest und dokumentieren sie. Als eigene Publikationsorgane werden die „Mitteilungen“ (zurzeit im 30. Band) sowie seit 1992 die weltweit verbreitete Spezialzeitschrift „Bembix“ für Fachleute der Hautflügler (Bienen, Wespen, Ameisen) herausgegeben.

In Zusammenarbeit mit den regionalen Naturkunde- und Naturschutzorganisationen sowie dem NABU-Bundesverband werden Projekte im praktischen Naturschutz wie auch in der Naturschutzpolitik durchgeführt. So war z. B. die Arbeitsgemeinschaft Mitinitiator für die Idee des Nationalparks Senne, für dessen Verwirklichung sich die Mitglieder auch heute noch aktiv einsetzen.